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17.08.2021, 08:27 Uhr

Gastronomie im Münsterland beklagt Personalmangel

CDU-MdL Korth nimmt fachliche Anregungen der Dehoga im Brauhaus Coesfeld entgegen

Eine wichtige Station während der CDA-Sommertour war der Info-Besuch des CDU-Landtagsabgeordneten Wilhelm Korth mit weiteren Vertretern des CDA-Stadtverbands Coesfeld und des Bezirksverbandes Münsterland im Brauhaus in Coesfeld.

Gastronomen aus den Kreisen Coesfeld und Borken gaben dem CDU-Landtagsabgeordneten Wilhelm Korth (5.v.l.) und Vertretern der CDA angesichts der Probleme der Gastronomie in der Corona-Pandemie im Brauhaus in Coesfeld wichtige fachliche Anregungen.
Die Geschäftsführerin der Dehoga-Westfalen im Stellenbereich Münsterland Renate Dölling und heimische Gastronomen aus den Kreisen Coesfeld und Borken tauschten sich aufgrund der Corona-Pandemie mit der CDA über Existenzängste aufgrund des Fachkräftemangels, der hohen Arbeitsintensität und der politischen Planungsunsicherheit aus.

Die Hotel- und Gastronomiebranche ist einer der am stärksten betroffenen Branche der Corona-Pandemie in Deutschland. Im März 2020 musste die gesamte Branche schließen und konnte nur kurzzeitig im Sommer wieder eröffnen. Viele selbstständige Gastronomen mussten um ihre finanzielle Existenz bangen, da die Aufrechterhaltung des Betriebs mit hohen laufenden Kosten und hohen Umsatzeinbußen eine wesentliche finanzielle Belastung darstellte. Der Borkener Gastronom Hubert Lüttgens unterstrich jedoch auch die schnelle finanzielle Unterstützung durch die staatliche Überbrückungshilfe und durch weitere Zuschüsse.

„Für unser schönes Münsterland hat die Gastronomie einen hohen Stellenwert, da sie für die einheimischen Bürger eine hohe Lebensqualität einschließlich Naherholungscharakter bietet. Wir müssen die weitere Schließung von Gastronomiebetrieben verhindern, um den bestehenden Lebensstandard zu halten“, so einer der Eigentümer des Coesfelder Brauhauses Matthias Rulle.

Renate Dölling, Geschäftsführerin der Dehoga Westfalen, beschrieb den starken Fachkräftemangel in der Branche. Viele Gastronomen können aufgrund des hohen Preisdrucks im Lebensmittelsektor ihre Mitarbeiter nicht ausreichend entlohnen, da Preissteigerungen für Lohnerhöhungen zu Verlust von Kunden und von dringend benötigten Einnahmen führen würden. Zudem sinke auch das klassische Trinkgeld durch die steigende Anzahl an Kartenzahlungen, welches die Löhne in der Vergangenheit noch bedeutend aufbessern konnte. Daher bevorzugen viele Arbeitnehmer andere Branchen mit geregelten Arbeitszeiten und höheren Gehältern.

Diese Entwicklung hat sich durch die Pandemie weiterhin verschlechtert: „Viele meiner Mitarbeiter haben während der langen Schließungszeiten einen Nebenjob angenommen, um die finanziellen Ausfälle durch das Kurzarbeitergeld wieder einzubringen. Diese haben Sie nun vielmals in eine Vollzeitanstellung gewechselt, da sie an die Ungewissheit in der Gastronomie hinsichtlich des Corona-Verlaufs nicht mehr gebunden sein wollen“, beschreibt ein Gastronom aus dem Münsterland. Sie können ihren Mitarbeitern, wie auch ihren Kunden aufgrund von kurzfristigen politischen Entscheidungen keine Planungssicherheit mehr bieten, da sie noch kein Ende der Pandemie in Sicht sehen.

Zudem ist die Branche zu den Stoßzeiten sehr stark auf Aushilfskräfte angewiesen. Besonders an den Wochenenden werden viele Arbeitskräfte benötigt, innerhalb der Woche sind jedoch auch deutlich kleinere Besetzungen ausreichend. Hierbei kritisierten einige Gastronomen das Arbeitszeitgesetz, die die Arbeitszeit von Arbeitnehmern auf maximal 10 Stunden pro Tag begrenzt. Sie schilderten den Wunsch von einigen Mitarbeitern, die Arbeitszeit an den Wochenenden zu verlängern und den zeitlichen Mehraufwand innerhalb der Woche wieder auszugleichen. Dies würde auch besonders die Problematik des Arbeitskräftemangels während der Stoßzeiten in der Gastronomie verringern.

Einige der hiesigen Gastronomen kritisierten auch die gedeckelte Einkommensgrenze von 450 Euro bei Minijobs, da sich bei einer Lohnerhöhung nur die Arbeitszeit des Mitarbeiters verringert. Zudem würde zu wenig zwischen einer gelernten und einer ungelernten Kraft im Bereich des Minijobs differenziert werden. „Es muss dringend ein neues Konzept erarbeitet werden, wie z.B. die Ersetzung der 450 Euro Grenze durch eine begrenzte Arbeitsstundenanzahl pro Monat“, schlug der Borkener Gastronom Hubert Lüttgens vor.

„Ich werde meinen Betrieb nicht an meine Kinder übergeben, da ich die hohe Arbeitsbelastung und die gesetzlichen Bedingungen als unzumutbar für die nachfolgende Generation empfinde. Durch die mangelnde Anzahl an Mitarbeitern bin ich Bürokaufmann, Kellner und Reinigungskraft zugleich.“ Durch die gesetzlichen Vorschriften und die zunehmenden bürokratischen Voraussetzungen ist es immer schwieriger junge Nachfolger für die bestehenden Betriebe zu finden.

Die Gastronomen kritisieren auch die zu kurz kommende Thematisierung von Ernährung und Landwirtschaft innerhalb des Schulunterrichts, wodurch den Kindern und jungen Erwachsenen oft ein umfangreiches Verständnis und die Wertschätzung für Lebensmittel fehlen.

Seit einigen Wochen dürfen die Betriebe nun wieder unter Einhaltung von bestimmten Hygienevorschriften öffnen. Da die Leistungen und Kapazitäten in einer Vielzahl von Betrieben eingeschränkt sind, erfordert die Organisation der Gastronomie eine umfassende zeitliche Planung. Dennoch beschreiben die Gastronomen durch die gestiegene Außengastronomie als deutlich belebend.

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